presse / cd rezensionen / sutcliffe
-der digitale flaneur 07/10 (link)
denkt man an nürnberg, hat man folgende assoziationen im sinn: reichsparteitag - nein, gemeint ist nicht der alltagssprachlich gebräuchliche innere eines nationalmannschaftlich tätigen stürmers, sondern einer dieser fiesen massenaufmärsche plus ihr vielstimmiges gegrunze, aber auch die erfreulich zügige aburteilung einiger täter und diese ziemlich leckeren würste und ja, den traditionsreichen christkindlmarkt sollte man auch nicht unterschlagen ...
... aber mitten in dieser mittelfränkischen Metropole tut sich was, ein flüstern kündigt es an, ein jeder weiss zu berichten, dass sich hier & jetzt ein wohlgemutetes wüstenstürmchen zusammenbraut, fuchs & hase plaudern darüber und selbst die prinzredaktion hat schon wind davon bekommen und kürte prompt sutcliffe zum "heißesten newcomers deutschlands" & zwischenfrage - gibt es eigentlich noch ne banalere preiskategorie?
was im prinzsprech jetzt irreführenderweise etwas nach halbnacktmodellwettbewerb klingt ist eine auf fünf häupter verteilte wirkungsmächtige kopfkinoband, die dir die innere leinwand sehr lecker vollkleckert mit songs, die sich im spannungsfeld von solch klangvollen namen wie tortoise, calexico, les hurlements d'leo und mogwai bewegen, ohne abzukupfern, wohlgemerkt.
verspielter, lautmalerischer instrumental-americana trifft auf sphärischen, sich langsam entfaltenden wüstenblues, der ein techtelmechtel mit den klangflächen eines john herndon eingegangen ist und gerne auch mal bei den mariachis im nebenhaus vorbeischlurft - eine raffinierte platte, die sich fast unbemerkt ins ohr schmiegt & dort schnell heimisch wird und wurmsamen auskapselt.
die zweite platte des 5ers (sutcliffe) ist eine vollständig gesangsfreie zone, die es internationalen produktionen schwer macht den weg zurück in den heimischen player zu finden. die nürnberger müssen sich absolut nicht scheuen auf dem weltweiten parkett aufzuspielen - stimmig, mit sehr eigenem flair & voller beseelter, durchtriebener zielsicherheit aufs tanzbein - was soll hier noch schiefgehen?
hier jetzt eine hörprobe aus 2009er album "ming imperator". käuflich erwerbbar (haptisch/ digital) hier.
-amazon.de 08/09
nürnberger wüstensöhne !!!
ebenso lässig wie der auf dem cd-cover cool salutierende comic-cowboy, agieren die mehr als vielversprechenden newcomer sutcliffe auf ihrem selbstbetitelten debüt-album. dabei klingt das quintett aus der fränkischen metropole nürnberg alles andere als "typisch deutsch", sondern zaubern dem hörer einen ungewöhnlichen sound ins ohr, bei dem man sehr lang nach musikalischen vergleichen suchen muss. sutcliffe spielen nämlich staubtrockenen, von akribisch ausgearbeiteten feindetails wimmelnden country/western-rock. dabei verliert sich die band aber zu keiner zeit in peinlichen schunkel-plattitüden á la truck stop, sondern spricht gleichzeitig herz und hirn des hörers an. sutcliffe liefern auf den 9 tracks ihres erstlings wirklich musik zum verlieben, der vor allem von seiner authentischen atmosphäre lebt. mit geschlossenen Augen unter dem kopfhörer entwickelt "sutcliffe" somit seinen einzigartigen charakter, und schickt den hörer auf eine beeindruckende traumreise durch den wilden westen.
vor dem inneren auge durchkämmt man verödete, von kakteen gesäumte landstriche...die sonne brennt unbarmherzig vom firmament und spendet dabei so wenig schatten wie möglich...hoch am himmel siehst du reihenweise die geier kreisen...ein rudel trist-zerzauster kojoten kreuzt deinen weg, auf der suche nach etwas essbarem...und ehe du dich versiehst, bist du aufgesprungen auf den uralten güterzug, der langsam-ächzend auf seinem weg richtung horizont der freiheit entgegenfährt...der kühle fahrtwind sorgt für eine höchst willkommene erfrischung...du spürst das pistolenhalfter fest umschlungen...die letzten tropfen aus der whiskey-flasche kratzen so wunderbar im hals und machen dabei den kopf wieder klar...glutheißer wüstenstaub rieselt aus den lautsprecherboxen deiner stereoanlage, als du urplötzlich aufschreckst. war alles doch nur ein traum ???
sutcliffe sind wahrhaft könige der musik-gewordenen atmosphäre, die man am ehesten mit den soundtracks bekannter tarantino-streifen (wie "pulp fiction" oder "desperado") beschreiben kann. manchmal glaubt man wiederum seichte dire straits-referenzen ausmachen zu können. und vor allem dann, wenn dem akkordeon etwas mehr platz eingeräumt wird, findet man sich in eindeutiger nachbarschaft zu den deutschen rock-poeten element of crime wieder. herrlich formvollendete klangbilder wie "lowride" , "summersun" , "shaft" , die treibenden "ming operator" (mit vereinzelten sprach-samples angereichert) und "d.sensation", sowie das typisch fränkisch betitelte "buggarest" funktionieren durch die relaxte Instrumentierung (steel-gitarre , akkordeon , orgel und akustik-gitarre) einwandfrei, und kommen über die gesamte spielzeit komplett ohne gesang aus. hier und da wird mal eben ein lockerer blues zitiert, beim nächsten song glaubt der hörer dafür, minimale bossanova-parallelen rauszuhören. der schlagzeuger traktiert seine schießbude mit viel hingabe und noch mehr rhythmus-gefühl, während sich die sehnsüchtigen, staubtrockenen melodien in windeseile im kopf festsetzen. höhepunkte dieses famosen 45-Minüters sind der geniale ohrwurm "roadtrain" , das todtraurige, halb-akustische "the ghost of old tom moses" sowie die durch trompeten aufgepeppte göttergabe "estoy cansado". sutcliffe sind eine der heißesten newcomer des deutschen underground. diese nürnberger band hat eure aufmerksamkeit auf jeden fall verdient.
übrigens - dass dieses quintett seine erste 6-track-ep seinerzeit "kopfkino" getauft hat, ist eindeutig nachzuvollziehen. 5 sterne sind pflicht !!!
- localcalling.de 12/09
und hier die nächste scheibe aus dem hause beste unterhaltung, welche mich an cowboys erinnert. gleich auf dem kunstvollen artwork ist ein solcher zu sehen,in der prärie mit hut, halstuch und breitem grinsen. die fünf jungs bezeichnen ihre musik als „instrumentalen kopfkinosoundtrack“. da bin ich ja mal gespannt.
und tatsächlich: musik zum zurücklehnen und entspannen. in den ersten takten von lowride ist ein akkordeon zu hören, bald kommt ein unverschämt groovender rhythmus dazu und eine traumhaft twängige 60s-gitarre à la the shadows. etwas düster und melancholisch, aber trotzdem kraftvoll. ich bin begeistert. das könnte genausogut filmmusik zu desperado, from dusk till dawn oder spiel mir das lied vom tod sein. aus dem augenwinkel sieht man fast schon das tumbleweed vorbei fliegen, den galgenstrick baumeln und die geier kreisen.
das hohe niveau des ersten tracks wird über die ganze cd beibehalten. estoy cansado beginnt mit einem atmospärischen gitarren-intro, sehr entspannte, coole nummer mit souveräner trompete. mein persönlicher favorit - ein bastard aus tito & tarantula und ennio morricone. roadtrain erinnert stark an eine solche, ab in den wilden country-westen! ein weiterer höhepunkt der cd ist der siebte track, the ghost of old tom moses, sehr schön arrangiert mit akustischer gitarre und elegantem akkordeon. hut ab!
immer wieder schwingen bei sutcliffe ethno-vibes mit, mal ein bisschen tango, mal samba, country, ska oder calypso. musikalisch hochwertig. die fünf cowboys beherrschen ihre instrumente und setzen sie beeindruckend geschmackvoll ein. die kombination eines an sich nicht mehr ganz zeitgemäßen gitarrensounds (hall, twang, vibrato, 60's-kram eben) mit akkordeon ist mal was erfrischend neues.
aber so ist das nun mal mit instrumentaler musik, der eine lobt sie in höchsten tönen, dem anderen fehlt das gewisse etwas – der gesang. instrumentalmusik abwechslungsreich zu gestalten ist mit sicherheit nicht einfach, meines erachtens ist dies hier jedoch gut gelungen.
ein booklet ist leider nicht dabei, aber bei den fehlenden lyrics auch nicht nötig.
6 von 7 punkte
-disagreement.net 10/09
Let’s face it: you have to love the artwork. Coming across like a friendlier take on the Preacher comic book series by Garth Ennis and Steve Dillon, you don’t know whether you should expect funny cow punk or bizarre desert rock. The Nuremberg quintet opts for the latter, and they don’t even fare bad on their first self-titled longplayer. Too often, bands are content with strictly adhering to one specific genre, but Sutcliffe – named after the original Beatles bassist who died before the band became big – are smart enough to add a twist to their all instrumental music; only Summersun comes with subdued female backing vocals. Although the guitars are the carrying element in the songwriting, the Germans find also room for keyboards and sometimes even accordion. It’s that instrument that elevates the album’s longest track The Ghost Of Old Tom Moses with nearly seven minutes running time to something really grand. Sutcliffe don’t always achieve such a sprawling sonic imagery full of melancholy, but it should be considered a sign of their experience (the band was founded in 2002) that not a single track fails to entertain.
Sutcliffe don’t hide their influences. The ghosts of Calexico, Giant Sand and Friends Of Dean Martinez can be made out throughout the album, but by injecting doses of post rock, garage rock and psychedelia, the band manages to eventually stand on their own legs. Instrumental music has always a hard time getting to its potential audiences (there are just no lyrics to sing along to), but Sutcliffe have made a strong case for themselves with their self-titled record. Hardcore desert rock fans might be at times deterred by the stylistic variety on display, but more tolerant music lovers will see themselves coming back time and again to this surprisingly solid showcase of diversity and talent.
-folker weltmusikmagazin 05/09
die staubigsten stiefel findet man in nürnberg. den beweis liefert die fränkische band sutcliffe, die ein instrumentales westernalbum abliefert, in der die twanggitarre aufs podest gehoben wird. sollte quentin tarantino jemals filme über weltmusik drehen, hat er hier jedenfalls schon mal den richtigen soundtrack.
-musikansich.de 08/09
kann es eine band heute noch schaffen, mit rein instrumentaler musik zu begeistern, die nach 60-er jahre, speziell im gitarrensound, mit viel country und blues klingt? ich hätte nicht gedacht, dass das funktioniert. sutcliffe schaffen aber genau das mit ihrem selbst betitelten debütalbum, nach einer ep mit dem treffenden titel kopfkino.
den fünf musikern aus dem großraum nürnberg gelingt es problemlos, mit ihrer musik in den bann zu ziehen. oft wird das ganze mit filmmusik zu tarantino-filmen verglichen und man liegt damit gar nicht so schlecht. weiträumige landschaften ziehen vor dem inneren auge vorbei. es ist heiß und plötzlich sieht man eine einsame gestalt in der ferne, die eine leichte staubfahne hinter sich herzieht.
die musik wird lässig cool vorgetragen. vor allem die mischung aus vintage-gitarrensound und schönen orgelsounds gibt der musik ein angenehm luftiges flair. neben den ausgesprochen guten instrumentalisten sind die arrangements ein großer pluspunkt bei der musik von sutcliffe. kein ton sitzt an der falschen stelle, alles ist exakt aufeinander abgestimmt. das hat schon große klasse.
unbedingt antesten!
- noisy neighbours no27
einen ziemlich coolen sound machen sutcliffe, nennen es selbst "kopfkinosoundtrack". musik ohne worte, neun tracks instrumental. ein bisschen vergleichbar mit dem, was man bei tarantino-filmen im hintergrund hört. in den besten momenten vielleicht sogar mit tom verlaines "warm and cool" vergleichbar, wenn den nürnbergern auch dessen tiefe noch abgeht. da geht was! cooler tremolo-sound, schöne vibrato-einlagen und nie langweilig. da freut man sich auf mehr.
- twang tone/guitars galore 06/09
....ihre musik erinnert an wüsten, texas, saloons, mexiko, lange ritte über die prärie – oder die autobahn. wenn zu den verschiedenen gitarren dann noch slide und schließlich akkordeon dazu kommt, dann ist auch kaurismäki mit von der partie. feine sache.
- das dosierte leben numero 64 /
reh-zensionen
instrumentalmusik ist auf den ersten blick ja nicht gerade
das,
wovon alle träumen. doch es gibt wirklich gute (wobei wir in
dieser rezension die nahe liegenden namen-einer fängt mit t
an-ebenso verschweigen wie die zu nahe liegende assozation mit bewegten
bildern in der obersten körperregion) und die fünf
franken
müssen keinen vergleich scheuen. das hat athmosphäre;
das
holt aus country, blues und folk das wesentliche heraus und ist satt
produziert-gitarren dominieren und sie können dies auf einem
mehrschichtigen klangteppich, der dicht geknüpft ist,
ausleben. im
ergebnis ist dies natürlich abgehangen und cool. in der tat:
jeder
gesang würde hier stören. unpeinliches (!) akkordeon
auch...
das coverartwork transportiert diese mission "abstract country" in sehr
ansprecheneder weise, erinnert das wüstenmotiv doch an sehr
große momente von coverkultur aus zeiten, in denen die
gruppen
noch mindestens "thin white rope" hießen. wenn wir den einen
oder
anderen track bei den nächsten kurzfilmtagen in oberhausen
hörten, würde mich dies nicht wundern...
werbeslogan: "ein
instrumental sagt mehr als tausend worte!"
-glitterhouse mailorder
05/09
offensichtlich nach dem früh-beatle stuart sutcliffe benannte
instrumental-band aus dem fränkischen mit einem rundum
großartigen debütalbum. denn die fünf
burschen machen
endlich mal das naheliegende:
nämlich die besten momente von calexico, tito &
tarantula,
chris isaak und santo & johnny zu vereinen. friends of dean
martinez
machen ja auch etwas ähnliches, aber was bei jenen so
elegisch,
schwer
und morricone-mäßig gerät, klingt bei
sutcliffe
upliftend, dynamisch
und nach scharfem tex-mex-chilli schmeckend. mit viel twang in der
gitarre, edler pedal steel und einem folky akkordeon, das für
bodenhaftung sorgt. Ihre erste ep hieß ganz treffend
„kopfkino“, denn
hier werden gekonnt musikalische western-klischees bedient, das ganze
aber mit groove und gelegentlich durchaus tanzbar. manchmal sieht man
fast schon das notorische tumbleweed durchs hörspielbild
rollen.
auch
ein pluspunkt: die neuen songs sind ganz hervorragend produziert,
transparent und druckvoll. gesang vermisst hier kein mensch.